Die letzten Tage sind so schnell vergangen, dass ich gar keine Zeit hatte, etwas zu schreiben. Inzwischen bin ich schon fünf Tage unterwegs und vorher in Barcelona habe ich noch versucht meine imaginäre to-do-Liste abzuarbeiten. Ich war einen Tag lang in Girona, einer Stadt in Katalonien, die eine schöne Altstadt, aber dafür viel niedrigere Temperaturen als die Städte an der Küste hat. In Barcelona sah ich mir noch eine Ausstellung im CCCB an, in der Videos gezeigt wurden, die sich befreundete Künstler als Briefe sendeten. Die Aufnahmen waren alle komplett unterschiedlich, reichten vom Vorlesen eines Briefes inmitten eines Waldes bis zu einem Schäfer, der sich das vorhergegangene Video auf einem iPod ansieht.
Außerdem war ich noch im Museu d’Història de Catalunya und danach spontan shoppen, obwohl ich mich bis dahin dem allgemeinen Rabatt-Wahn (!Rabajas! !Rabajas!) erfolgreich entzogen hatte. Es gibt hier aber wirklich ein paar schöne Läden, die mich immer wieder zum Einkaufen verführen, vor allem, weil wir sie in Deutschland nicht haben. Ganz abgesehen von all den kleinen Boutiquen und Boutiquchen…

Mit zwei Freundinnen war ich schließlich noch im wundervollen Parc del Laberint, einer Oase der Ruhe in der Stadt, vor allem zu dieser Zeit erstaunlich ruhig und frei von Touristen (uns nicht mitgezählt). Zwar gibt es ein Schlösschen, Brunnen und alles mögliche Hübsche, aber mindestens genauso sehr gefiel mir die Stille, der ich mich so entwöhnt habe, dass sie in meinen Ohren fast schmerzte.
Anna kam in der Nacht zum Freitag in Barcelona an und nach meiner letzten Spanischstunde am Freitag genehmigten wir uns ein sehr ausgiebiges Menü in meiner Lieblingsgaststätte “organic”. Dort waren wir mit den vier Gängen von um zwei bis halb fünf beschäftigt und nach einem Spaziergang durch die Altstadt im Picasso-Museum. Zwar sieht man keine großen Werke, kann aber dafür die Entwicklung des Künstlers nachvollziehen. Das Museum ist daher der perfekte Ort, um Kunstbanausen zu beweisen, dass eben nicht “jeder sowas malen kann”, sondern dazu eine Menge Talent und jahrelange Übung gehört. Trotzdem kann ich persönlich mit den Werken nach der kubistischen Phase nicht mehr viel anfangen, aber über Geschmack lässt sich eben bekanntlich streiten und über Kunst sowieso.
Über noch mehr Kultur sind wir zufällig auf dem Heimweg gestolpert, nämlich das “LlumBCN – Barcelona Festival of Light”. Ich bin immer noch ganz begeistert, wenn ich daran denke! Es war einfach verrückt, herrlich barcelonesisch, laut und bunt: Eine Lichtershow in der ganzen Altstadt, mit leuchtenden, übergroßen, marshmallowartig aufgeblasenen Figuren in den kleinen Gassen, tanzenden Passanten vor der Kathedrale (klar gehörten wir dazu) und einer Projektion aufs Rathaus, die es einstürzen ließ, aus Lego nachbaute, Tetris darauf spielte… Spätestens als wir alle in einer langen Polonaise über den Platz vor der Kathedrale liefen, konnte ich die Frage verdrängen, woher Barcelona für sowas mitten in der Krise noch Geld hat.


Später in der Nacht ging es zum letzten Mal mit meinen Erasmus-Freunden in unsere Stammbar… Schön war’s! Ich kann es noch gar nicht ganz fassen, jetzt nicht mehr in Barcelona zu wohnen, aber ich bin mir sicher, dass ich wiederkomme. Selbst nach einem Semester gibt es noch vieles, was ich nicht geschafft habe und noch gerne sehen möchte, beispielsweise Montserrat, den Palau Musica Catalana von innen, Sitges, das Museu del Modernisme, das MNAC und den Tribidabo. Außerdem ist die Stadt so vielfältig, dass man sicher nach Jahrzehnten dort noch viel Überraschendes und Neues findet.
So, nun aber zur Reise, die gar nicht so gut begann: Den ersten Bus nach Zaragoza verpassten wir, der zweite war voll und in der Stadt angekommen, fanden wir das B&B ewig nicht. Dafür war unsere Unterkunft dann wirklich schön und die Besitzerin wirklich nett. Wir wurden gleich mit leckerem Kaffee und Keksen eingedeckt und damit sogar darüber hinweggetröstet, für Zaragoza keine Unterkunft über Couchsurfing gefunden zu haben. Von der im Dunklen angestrahlten Altstadt war ich ganz überwältigt, allein die sich im Ebro spiegelnde Basílica del Pilar war die Reise wert.

Am nächsten Tag sahen wir uns die Innenstadt noch einmal genauer an, die mir trotz eisigen Windes sehr gut in Erinnerung bleiben wird. Genauso unvergesslich bleibt das Phänomen der Pelz-Omis, die vermehrt in Zaragoza aufzutreten scheinen. Nachmittags folgte mein nach der Basilika zweites Highlight der Stadt, der einst islamische Palast Aljafería. Seit seines Baus im neunten Jahrhundert wurde er immer wieder umgebaut, daher kann man auch heute noch die Geschichte gut an ihm ablesen. Nach der Reconquista, der Rückeroberung der Stadt, wurde er christlich umgestaltet und später zur Festung erweitert. Beim Betreten der Säulenhalle mit ihrer filigranen arabischen Architektur kam ich mir vor wie in 1001 Nacht, dagegen protzt der Thronsaal der Katholischen Könige mit einer überladenen goldenen Decke, während man von außen nur die Fassade einer Zitadelle sieht.


Am nächsten Morgen waren wir schnell noch in der Lonja, in die wir wegen der Fotos, die wir vorher gesehen hatten, unbedingt gehen wollten. Leider hatten wir viel zu wenig Zeit, uns die Fotoausstellung von Francesc Català-Roca genauer anzusehen und waren auch so schon viel zu später dran. Den Bus nach Bilbao erreichten wir nur rennend und zwar genau in dem Moment, als der Fahrer einsteigen wollte. Nach der Ankunft im verregneten Norden holte uns einer unser beiden Gastgeber ab, die wir über Couchsurfing gefunden hatten. Wir hatten das beide erstmals ausprobiert und wirklich Glück, das Pärchen, bei dem wir für die zwei Tage waren, ist unglaublich nett und nahm sich sehr viel Zeit für uns.
Ins Guggenheim-Museum gingen Anna und ich zwar alleine, aber danach aßen wir alle zusammen (samt Hund) in der Altstadt. Morgens trafen wir zum Frühstücken in einer Bar Freunde unserer Gastgeberin Itzi und aßen zwar typisch spanisch wenig, aber ebenso typisch spanisch herrlich ungesund: Milchkaffee, Kuchen und ein “Bollo de mantequilla”, der aus einem nach Pfannkuchen schmeckendem Teig und süßer Butter besteht.
Danach zeigte uns Itzi die wunderschöne Altstadt und ich fragte mich beim Anblick jeden zweites Hauses, warum mein Reiseführer die Stadt nicht als viel sehenswerter eingestuft hat – ich jedenfalls habe mich sofort in die Stadt verliebt. Nur mit dem ständigen Regen kann ich mich nicht anfreunden, allerdings ist er mit Schuhen ohne Löcher in der Sohle vielleicht erträglicher.
Inzwischen sind wir in Madrid und haben uns heute auch schon einiges angesehen, aber davon schreibe ich beim nächsten Mal, wenn ich die Zeit dazu finde. So viel schon mal: Ich bin begeistert von der Stadt!